Um es vorwegzunehmen: Selbst bei einem Komplettabschreiber von 5% Portfolioanteil durch einen Madoff Fonds im Portfolio unserer Kunden hätten diese aufgrund ihrer Diversifizierung und hohem Anteil an Alternativen Imvestments mit Leichtigkeit die Performance von Börsenindizes in 2008 um Längen geschlagen.
Es bleibt für die gesamte Branche der Nachgeschmack, warum man Madoff nicht früher entlarven konnte. Zu seinen Opfern zählten (schon wieder) die grossen Banken und selbst bekannte Wall Street Experten wie Henry Kaufman. Viele Bankberater haben die Madoff Hedge Fonds ihren Kunden empfohlen, gerade weil diese ja schon so viele Jahre im Markt existierten – verliessen sich dabei blind auf die grossen Namen des Compliance und Audits.
Die Motive von Madoff´s Betrug bleiben ein Rätsel, er musste sich ja um Finanzen keine Sorgen machen. Die Investoren hätten mit Sicherheit mehr Verdachtsmomente aufgebracht, wenn Madoff einfach enorme Ertragschancen versprochen hätte. Tatsächlich hat er ja relative moderate Erträge versprochen, ungefähr in der Höhe von 1% Wertzuwachs pro Monat. Es ist schon überraschend, denn auch Psychologen bestätigen, dass Investoren kleinen konstanten Erträgen den grossen – aber unsichereren – Erträgen den Vorzug geben.
Einen persönlichen Bezug der Berater zu den Aktivitäten des Fonds gab es nicht – ähnlich der Devise bei den Subprimes ist die Distanz zwischen Investor und tatsächlich zu Grunde liegender Tätigkeit bzw. Asset gross gewesen. Madoff nannte seine Strategien “split-strike conversion” Options Strategien. Mir kamen seine Aktivitäten aus dem uns zugänglichen Marketingmaterial eher als sehr einfache “Collar Strategien” vor. Mit einem Collar kauft ein Investor eine Aktie, dann werden Call Optionen verkauft und die Erlöse daraus dienen dem Kauf von Put Optionen. Wenn ein Aktienpreis fällt, ist der Verlust des Investors durch den Besitz der Puts gesichert, aber bei wachsenden Aktienpreisen sind die Gewinne durch den Verkauf der Calls begrenzt. Eine Strategie, mit der man Geld verdienen kann, aber sicher nicht reich werden kann – nun wissen wir aber nicht, wieviel überhaupt tatsächlich investiert wurde.
Uns interessiert natürlich, wie viele der Berater überhaupt das Thema „Split-Strike Conversions” verstanden haben?
Ja es stimmt, die “Securities and Exchange Commission” hat den Betrug nicht aufgedeckt – ein weiterer Beweis dafür, dass all die staatlich regulatorischen Massnahmen nicht wirklich helfen. Umso wichtiger erscheint mir, dass man eine echte Nähe und Nachvollziehbarkeit zu den Fondsmanagern erhält, bevor man im Sinne des Kunden investiert.
Wir fühlen uns in unserer Tätigkeit für den unabhängigen Vermögensverwalter jedenfalls bestätigt, und werden auch weiterhin u.a. folgende Prinzipien verfolgen:
- Grösse ist kein Mehrwert, sondern oft nachweislich ein Nachteil
- Die persönliche Nähe zum Fondsmanagement ist sehr hilfreich
- Ein vorhandener Track Record ist zwar hilfreich, darf aber niemals ausschlaggebendes Kriterium sein
- Schulungen über Inhalt und Zweck von Handelsstrategien sind wichtig






One Comment
Danke für den aufschlussreichen Kommentar. Ich habe lange gesucht bis ich herausgefunden haben, was Madoff für eine Strategie vorgegeben hat umzusetzen. Die Massenmedien und Zeitungen nahmen sich nicht die Mühe, kurz auf die Strategie einzugehen. ‘Split Strike Conversion’ oder ‘Collar’ ist eine funktionierende mehr oder weniger stetige Alternative, um Geld zu verdienen. Meine Vermutung ist, dass Madoff zu Beginn tatsächlich diese Strategie umgesetzt hat und dann in ein Schneeball ähnliche Spirale geraten ist. Wo neue Investoren die Renditen für die austretenden Investoren bezahlten. Das geht solange gut als neue Investoren gefunden werden, was bei Madoff offensichtlich bis auf einen (vorgegebenen) Betrag von rund $50Mia geklappt hat.
RIESIGES STAATLICH ORGANISERTES SCHNEEBALLSYSTEM!!
Bei diesem System zahlen jüngere Personen die Renten der älteren. Das nennt sich Umlageverfahren oder Generationenvertrag. Bei der aktuellen Demographieentwicklung ist es eine Frage der Zeit….