Strukturierte Produkte mit Barrier – legaler Diebstahl?

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Strukturierte Produkte bieten dem Vermögensverwalter die Möglichkeit, einerseits ggf. das Risiko in seinem Portfolio zu begrenzen, anderseits aber auch attraktive Renditechancen zu nutzen. Das hört sich ja sehr gut an. Aber wie sieht die Realität aus? Ist die Kostenstruktur des Produkts auch transparent dargestellt? Wie sieht es denn mit dem Risiko genau aus? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Wette des Kunden aufgeht, oder eben nicht? Dieses sind Fragen, die der Vermögensverwalter sich stellen muss, bevor er seine Trades um ein solches Produkt ergänzt.

Wichtig ist auch hier wie bei allen Investitionsentscheidungen, das der Berater die Strategie, den Anlagehorizont, und das Risiko vorher mit seinem Kunden  genau erörtert hat und ihn auf Risiken, z.B. einen Barrier hingewiesen hat. Bei strukturierten Produkten sind die Banken die Emittenten und die haben logischerweise ein grosses Interesse daran diese Produkte zu verkaufen – kein Wunder also, dass sich diese Produkte bei “unabhängigen” Vermögensverwaltern vor allem bei denjenigen finden, die mit einem Intermediär Modell an eine Bank geknebelt sind.

Nun  ist es keine Ausnahme mehr, dass nach Neuemissionen dem Kunden gewaltige Aufpreise auferlegt worden sind und die Kurse über dem ‚fair value’ lagen. Es ist zu erwähnen, dass der ‚fair value’ Kurs oft nur durch hochkomplexe mathematische Formeln berechnet werden kann. Dadurch hat selbst der Vermögensverwalter überhaupt nicht die Möglichkeit zu erfassen, was der reelle Wert dieses Produktes genau ist. Auffällig ist auch, dass es kurz nach Handelsbeginn eines Produktes erstaunlich viele Fehlplatzierungen und Stornierungen von Käufen und Verkäufen gegeben hat. Leidtragender ist am Ende immer der Anleger. Hierbei hat nämlich der Emittent die Möglichkeit die Kurse zu stornieren, wenn er sich bei der Kursstellung geirrt hat. Dies lädt natürlich zu einer willkürlichen Stellung von Preisen und Manipulation ein.  Insgesamt gesehen haben die Banken ein grosses Interesse daran, die Struktur komplex zu belassen, da die Kosten dadurch auch intransparent werden. Daraus resultierend steigen auch die Margen für die Banken.

Als Vermögensverwalter muss sich auch darüber im Klaren sein, was der Kunde bekäme, wenn er ganz simpel ohne eine komplizierte Schutzfunktion in den Basiswert investieren würde. Es ist nicht zu vergessen, dass die Bonusauszahlung eines strukturierten Produkts nicht kostenlos ist. Für eine Bonusauszahlung werden keine laufenden Erträge, wie zum Beispiel Dividenden ausbezahlt. Hinzu kommt, dass der Bonus-Mechanismus nur funktioniert, wenn die Papiere bis zum Verfall gehalten werden.  Deswegen sollte sich auch ein Vermögensverwalter sehr gut überlegen, auf was er sich bei diesen komplexen derivativen Instrumenten einlässt.  Die Endkunden selbst, so hat man den Eindruck, kaufen ja schon weil Sie den Banken (immer noch) Vertrauen schenken und die Grafiken recht bunt dargestellt sind und der vermeintlich “garantierte” hohe Zinssatz attraktiv ist. Der Vermögensverwalter sollte also immer noch nach der alt bewerten Maxime Warren Buffets vorgehen: ‚man soll in das investieren, von dem man etwas versteht’.

One Comment

  1. Alex
    Posted 11 August, 2009 at 10:28 | Permalink

    Also wenn ein Vermögensverwalter nicht einmal die Funktionsweise eines Barrier Reverse Convertible oder eines Multi Barrier Reverse Convertible versteht und dem Kunden nicht richtig erklären kann, ist er sowieso am falschen Platz.

    Spielt es eine Rolle, wieviel die Bank hintenrum verdient? Die Konditionen und das Risiko sind von anfang an klar, wenn man damit einverstanden ist, kann man es kaufen, möchten man mehr Ertrag haben, kann man versuchen ein solches Konstrukt “nachzubauen”.

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